Wolfgang Amadeus Mozart
Bastien und Bastienne
Musikfestspiele Potsdam Sanssouci
Premiere: Schloss Branitz 16. Mai
Premiere: Potsdam 25. Mai 2015
Musikalische Leitung: Frank Markowitsch
Regie und Konzept: Christoph von Bernuth
Sänger: Marie-Sophie Pollak (Bastienne), Thilo Dahlmann (Colas), Gerald Beatty (Bastien)
Kammerakademie Potsdam
© Musikfestspiele Potsdam Sanssouci / Michael Lüder
© Musikfestspiele Potsdam Sanssouci / Michael Lüder
© Musikfestspiele Potsdam Sanssouci / Michael Lüder
© Musikfestspiele Potsdam Sanssouci / Michael Lüder
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© Musikfestspiele Potsdam Sanssouci / Michael Lüder
© Musikfestspiele Potsdam Sanssouci / Michael Lüder
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Festspielkritik online
Der "Theaterkarren", der im vorigen Jahr bei der Aufführung von "Il pomo d'oro" erstmalig zum Einsatz kam, brachte die Wandertruppe in den Neuen Garten. (...) Ob das Werk des 12jährigen Mozart tatsächlich im Garten des Joseph Mesmer - eines Vetters des berühmten Hypnotiseurs - uraufgeführt wurde, ist nicht gesichert. (...) Da sich die Legende trotzdem etabliert hat, liegt nahe, den Dorfquacksalber Colas als ein kleiner Mesmer darzustellen, wie es Christoph von Bernuth in seiner liebevollen Regie machte. Während seiner "Hokuspokus-Arie" hantierte Colas mit zwei Magneten herum und traktierte damit den zuckenden Bastien, so dass er sich anschließend reumütig zeigte und versprach, seiner Bastienne keine weiteren Gründe zur Eifersucht zu geben. Da aber Bastienne - den Anweisungen von Colas folgend - dann vorgibt, selber wohlhabende Verehrer und kein Interesse mehr an Bastien zu haben, kommt es noch zu einigen spannenden Szenen zwischen den beiden, bevor sich das Happy End einstellt. (...) Die technischen Anforderungen an die Sänger sind zwar nicht so hoch wie bei den späteren Werken aber auch nicht zu unterschätzen, und die drei Solisten - Marie-Sophie Pollak, Gerald Beatty und Thilo Dahlmann - meisterten sie mit hellen, beweglichen Stimmen und großer Spielfreude. (...) Zwar bringen Freilichtaufführungen in diesen Breitengraden immer ein gewisses Risiko mit sich (bei schlechtem Wetter war der Umzug in die Orangerie vorgesehen). Wenn das Wetter mitspielt, wie an diesem Abend - samt Vogelgezwitscher und vor einer Kulisse kunstvoll gestalteter Buchsbäume - kann eine seltene Harmonie entstehen. Dieser war mein letzter Besuch der diesjährigen Musikfestspiele, und ich hätte mir keinen angenehmeren Abschied wünschen können.
(Carlos María Solare) [Festspielkritik Online]


Potsdamer Neueste Nachrichten
Treibmittel für süßes Soufflé – "Bastien und Bastienne" in der Hofgärtnerei
Der Theaterkarren ist wieder unterwegs. Im vergangenen Jahr kam er während der Musikfestspiele Potsdam Sanssouci erstmals in Fahrt. Dieser Tage machte er mit seiner kleinen transportablen Bühne Station in der Hofgärtnerei im Neuen Garten. Am heutigen Samstag und morgen kommt er noch im Landschaftsgarten der Villa Jacobs zum Stehen. Danach wird der Theaterkarren wieder eine Spielzeitpause einlegen. Leider für ein Jahr. 2016 soll es aber wieder Bewegung geben. Hatten die Wandertheater in früheren Jahrhunderten nicht immer den besten künstlerischen Ruf, so bieten sie heute Basis für ein gutes und unterhaltendes Theater. Jedenfalls bei den Musikfestspielen.
(...) So aber bleibt die "Operetta" mit seinen jugendfrischen Köstlichkeiten eine Kostbarkeit, ein Gesellenstück des werdenden Meisters. Um daraus freilich einen gültigen Theaterabend zu machen, sollte man das Spiel als Treibmittel für ein süßes Soufflé begreifen. In der Musikfestspiel-Aufführung hat Regisseur Christoph von Bernuth ein Rezept gefunden, das die Anekdote um die zankenden Liebenden Bastien und Bastienne sowie dem lebenserfahrenen "Zauberer" Colas trefflich erzählt. Dies geschieht auf einfache Weise: Man nimmt die Geschichte so wie sie ist. Äußerlich wird sie nicht aufgepeppt und verfranst sich nicht in heillosen Schnörkeleien. Auch psychologisierende Besserwisserei fällt bei Christoph von Bernuth flach. Die sich wechselnden Gefühle der beiden Liebenden - mal zickig und bockig, mal sehnsuchtsvoll und liebevoll - werden ohne Wenn und Aber mit Natürlichkeit erzählt und dem Wissenden Colas macht es Freude, die jungen Leute durch das Wundermittel Eifersucht wieder zusammenzuführen.
(Klaus Büstrin) [Potsdamer Neueste Nachrichten]


Festspielkritik online
(...) Abgesehen von der verunglückten Ouvertüre hat Christoph von Bernuth das anrührend schlichte Stück liebevoll und einfallsreich in Szene gesetzt. Der frühere Operndirektor der Innsbrucker Festwochen gastierte übrigens schon im vergangenen Jahr mit der Produktion "Der goldene Apfel" bei den Potsdamer Festspielen. Seine neue Inszenierung lebt von den drei Darstellern, die mit viel Temperament und Spielfreude zugange sind. (...) Die einstündige Aufführung endete mit Applaus und begeisterten Pfiffen, während draußen der Park vor Feuchtigkeit dampfte.
(Anja Rößler) [Festspielkritik Online]