Antonio Cesti, Francesco Cavalli u.a.
Der goldene Apfel
Festa Teatrale
Musikfestspiele Potsdam Sanssouci
Premiere: 20. Juni 2014
Musikalische Leitung: Pierre Pitzl
Regie: Christoph von Bernuth
Bühne und Kostüme: Alfred Peter
Dialoge und Dramaturgie: Micaela von Marcard
Sänger: Marcos Fink, Fernando Guimarães, Benno Schachtner, Marie-Sophie Pollak, Olga Pitarch, Emanuela Galli Schauspieler: Laura Louisa Garde, Peter Pruchniewitz, Thomas Dürrfeld
Private Musicke
Musikfestspiele Potsdam Sanssouci, Foto: Stefan Gloede
Musikfestspiele Potsdam Sanssouci, Foto: Stefan Gloede
Musikfestspiele Potsdam Sanssouci, Foto: Stefan Gloede
Musikfestspiele Potsdam Sanssouci, Foto: Stefan Gloede
Musikfestspiele Potsdam Sanssouci, Foto: Stefan Gloede
Musikfestspiele Potsdam Sanssouci, Foto: Stefan Gloede
Musikfestspiele Potsdam Sanssouci, Foto: Stefan Gloede
Musikfestspiele Potsdam Sanssouci, Foto: Stefan Gloede
Musikfestspiele Potsdam Sanssouci, Foto: Stefan Gloede
Musikfestspiele Potsdam Sanssouci, Foto: Stefan Gloede
Musikfestspiele Potsdam Sanssouci, Foto: Stefan Gloede
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Musikfestspiele Potsdam Sanssouci, Foto: Stefan Gloede
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Musikfestspiele Potsdam Sanssouci, Foto: Stefan Gloede
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Musikfestspiele Potsdam Sanssouci, Foto: Stefan Gloede
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Musikfestspiele Potsdam Sanssouci, Foto: Stefan Gloede
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Musikfestspiele Potsdam Sanssouci, Foto: Stefan Gloede
Musikfestspiele Potsdam Sanssouci, Foto: Stefan Gloede
Musikfestspiele Potsdam Sanssouci, Foto: Stefan Gloede
Musikfestspiele Potsdam Sanssouci, Foto: Stefan Gloede
Musikfestspiele Potsdam Sanssouci, Foto: Stefan Gloede
Musikfestspiele Potsdam Sanssouci, Foto: Stefan Gloede
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Das Opernglas
(...). Ein Risiko, das sich einzugehen lohnt, wenn dann ein absolut hitverdächtiges Spektakel wie die "Festa Teatrale" "Der Goldene Apfel" gelingt. Als "Opernorangeade für alle Sinne" war das Pasticcio angekündigt worden, was keineswegs zu viel versprochen war. (...) (Oktober 2014, U. Ehrensberger)

Opernwelt
´┐╝Vom Komischen ins Kosmische
(...) Ein Pasticcio rund um die Apfelsine, (...), hatte sich der Regisseur Christoph von Bernuth gemeinsam mit seiner Dramaturgin Micaela von Marcard ausgedacht. (...) Was als harmloser Sommerspaß begann, entwickelte allmählich immer größeren Ernst. (...) Der Tenor Fernando Guimarães sang als Apoll ein traumhaft-taumelnd-trauriges Lamento, während Emanuela Galli, als Dafne zum Baum geworden, starb. Die Gaukler trugen die Tote zum Schein der Fackeln durch den nächtlichen Park von Sanssouci. Was für ein Bild! Man hatte im Hellen zu speisen begonnen und ging im Dunkeln auseinander. Aus dem goldenen Apfel, der kostbaren Orange, war der Sonnenball Apolls geworden. (...) Und gewendet hatte sich der ganze Abend mit einem Mal vom Kulinarischen ins Existenzielle, vom Komischen ins Kosmische. (...) In schönster barocker Vanitas-Tradition hat man in Potsdam mit dieser "Orangeade" dem Wort "Festspiele" wieder seinen alten Sinn zurück gegeben. (Jan Brachmann, August Ausgabe 2014)

Die Welt
Kennst du das Land, wo die Orangen glühn?
(...) Ein wirkliches Fest für alle Sinne war da die vierstündige, von der Dramaturgin Micaela von Marcard und dem Regisseur Christoph von Bernuth erdachte festa teatrale „Der Goldene Apfel“ mit Essen, Trinken, Spiel und Gesang, (...). (...) um ein immer wieder neu anhebendes, sich inhaltlich gabelndes und weitergesponnenes inhaltlich um die Orangeriefrüchte kreisendes und als „Opernorangeade“ ausgewiesenes Pasticcio (...). (...) so bekommt das esoterisch-allegorisch- metamorphosische Göttergewese auf der einfachen, mit Tüchern und Orangerie- Illusionsmalereien ausgestatteten Spielfläche wirklich plötzlich etwas Phantasmagorisches, fata-morgana-haft Leichtes. Und am Ende verlieren sich alle im Fackelschein verzaubert, aber noch kein Lorbeerbaum, wie die eben sich zart zersingende Daphne, in die Sternennacht. Ja, so muss es gewesen sein, als Preußens Könige mal nicht sparsam waren und barocke Feste feierten.
(Manuel Brug, 11.07.2014) [Die Welt]

PNN
Wenn die Primadonna überraschend das Zeitliche segnet
Die Inszenierung "Der goldene Apfel" erobert in der Orangerie Sanssouci als neuen Spielort
(...) So viel Aufwand mussten die Musikfestspiele nicht treiben, um eine stimmungsvoll-heiter bis tragische Inszenierung zu zaubern. Man entschied sich für ein Opernpasticcio aus "Il pomo d'oro" und "Gli amori d'Apollo e di Dafne" von Francesco Cavalli in der Orangerie Sanssouci, bei dem die Gourmets und die Musiktheater-Liebhaber gleichermaßen auf ihre Kosten kamen. (...) Eine chaotische Probensituation gab es daraufhin zu bewältigen, bei denen schrullige Künstlerallüren zu Tage traten. Nach dem Text von Micaela von Marcard hat Regisseur Christoph von Bernuth das Geschehen für die Inszenierung mit köstlicher Ironie und ungezwungener Heiterkeit lebendig werden lassen. Die Commedia dell'arte ließ grüßen. Da das pompöse "Il pomo d'oro" beim besten Willen nicht zu realisieren war, entschied man sich für die intimere Oper "Gli amori d'Apollo e di Dafne", (...). Wie zu erwarten ging auch diese Opernaufführung nicht spielplanmäßig zu Ende, da die Primadonna, die die Dafne verkörpert, plötzlich auf offener Bühne das Zeitliche segnete. Anrührend und stimmungsvoll hat Christoph von Bernuth das Ganze inszeniert. Die gesamte Halle und auch der Garten vor der Orangerie wurden dabei mit feinen Effekten ins Geschehen einbezogen. (...) Private Musicke musizierten unter der inspirierenden Leitung von Pierre Pitzl mit sicherem Stilgefühl, mitreissender Verve und nie nachlassender Begeisterung. Man konnte sich gut vorstellen, wie die Musik Cavallis mit ihren neuen expressiven Ausdrucksmöglichkeiten einst beim Zuhörer Ergriffenheit und Erschütterung hervorrief, ihn sogar zu Tränen rührte. Gourmets und Opernfreunde waren gleichermaßen von der Musik Cestis und Cavallis berührt sowie vom gesamten Pasticcio entzückt. (Klaus Büstrin)

MAZ
Viel Temperament gegen die Schafskälte
(...) Nach dem Dinner erlebt man die Truppe draußen beim Proben im Säulenhof. Das geht nicht ohne polyglottes Gezänk, denn sämtliche Damen wollen die Venus spielen. (...) Regisseur Christoph von Bernuth hat Oper und Proben-Rahmenhandlung raffiniert ineinander verschachtelt. Immer wieder fachsimpeln die Figuren: ob die wahre Kunst in der Komödie oder Tragödie liege, ob im Wort oder in der Arie-Diskussionen, wie sie im Zeitalter Monteverdis an der Tagesordnung waren. Bodenständiger ist die kleine Pausenfüller Komödie, in der Harlekin mit Gevatter Tod rangelt. (...) Zum zweiten Akt geht es in den Ostflügel. (...) Das Darstellerdutzend ist mit viel Temperament und Spielfreude zugange. (...) Im Finale verwandelt sich Daphne beim Raunen einer E-Gitarre in einen Lorbeerbaum; zugleich stirbt ihre Darstellerin Isabella den nordischen Kältetod. Nach den zarten Klängen eines Lamentos treten die Besucher hinaus in die nächtliche Schafskälte des Schlossparks. (Antje Rößler)

FAZ
Jan Brachmann ist in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 23.06.2014 überaus angetan von der Raffinesse und Hintergründigkeit des Abends. Er zeigt sich amüsiert und gleichermaßen ergriffen von Gesang und Inszenierung. (Anmerkung v. Bernuth: leider ist es bekanntermaßen nicht möglich, aus der FAZ zu zitieren, auch ein Verlinken auf die Seite ist nicht erlaubt)

Klassik Heute
Zu den künstlerischen Höhepunkten für Publikum und Medien zählten das Eröffnungskonzert „Das Meer in der Mitte“, die Uraufführung des neuen Programms „La Dama d’Aragò“ von Christina Pluhar und Nuria Rial, das Boccherini-Special mit Roel Dieltiens, La Ritirata und anderen, oder „Der Goldene Apfel“ im Orangerieschloss Sanssouci, der neu erschlossenen Opernspielstätte des Festivals. [Klassik Heute]

Muse Baroque
(...) En effet le somptueux Palais de l’Orangerie ce soir nous réservait une surprise inattendue. Sous les verrières de l’orangerie vide, nous nous sommes attablés pour un cordial festin baroque. Au palais l’orange de mise fondit, entre la fricassée de poularde fine et le vin blanc de Saxe, comme un nuage de saveurs intemporellement subtiles. Au milieu du repas, des personnages entrèrent, des acteurs, des chanteurs dont les visages ne sont pas méconnus à nos habitudes françaises (Fernando Guimaraes, Marcos Fink, Olga Pitarch). Nous nous étonnions de comprendre l’allemand tellement le jeu des chanteurs-comédiens était convaincant grâce à la direction d’acteurs de Christoph von Bernuth tout en subtilité et naturel. Le maître de cérémonies Monsieur de XXX apparut avec ses brandebourgs et son tricorne plumé d’aigrettes noires, tout d’un tenant de l’étiquette de cette ère baroque qui nous est chère. Nous allions pénétrer dans le quotidien d’une troupe itinérante d’opéra. La renaissance de ces Febi Armonici qui ont donné tant de plaisir aux cours loin de leur Italie natale.
La suite se déroula dans l’atrium ouvert entre les deux orangeries, un petit aperçu d’une répétition de cette troupe, avec l’arrivée des grandes dames, les coups de cœur, les vengeances mesquines, les airs issus du divin et mystérieux Pomo d’Oro de Cesti. Et nous nous retrouvions comme des voyeurs dans une intimité humaine révolue. Le délice se poursuit dans un petit entremets de commedia dell’arte, sublime petit bijou de pantomime sur la mort déçue et moquée, mais memento mori tout de même !
Et l’heure nocturne sonna pour la représentation. La deuxième orangerie accueillit les Amours d’Apollon et Daphné, sublime bijou de Cavalli qui est trop rarement donné. De bout en bout, ce condensé d’une partition kilométrique nous ravit dans le respect total de l’émotion, une respiration continue dans le drame, dans les passages de nourrice et dans la métamorphose finale, où l’excellente Emmanuella Galli se métamorphosa en laurier sous une délicate pluie de feuilles d’un vert éclatant. La mort rattrapa le mythe et ramena à la réalité les convives. Un réveil brutal à la mort sur scène de la Primadonna de la troupe. Déchirant adieu à la musique même, nous rappelant sans cesse l’éphémère fragilité de notre existence.
Dans sa totalité cette production est une merveille d’organisation, de mise en scène et de dramaturgie. Le tandem Von Bernuth/Von Marcard nous raconte cette histoire avec une force inouïe. Que ce soit dans les instants légers ou dans la gravité du drame humain, le livret et les acteurs subtilement nous attachent à leur destinée et nous rappellent la notre. Nous nous réveillons du rêve avec des émotions contrastées d’avoir assisté à une création totale. L’équilibre parfait caractérise ce spectacle, c’est un bien bel hommage aux acteurs de l’art baroque et au souffle humain de ces siècles qui battirent leur fondations sur la passion.
Musicalement, Private Musicke et Pierre Pitzl jouent le jeu avec précision et une compréhension totale du style et du sentiment selon les situations mises en scène. (...)
[Muse Baroque]

Prima la Musica
Als Festa Teatrale DER GOLDENE APFEL war ein Abend angekündigt, der sich an alle Sinne wandte. Im einem der neuen Spielorte der Musikfestspiele, der Orangerie, verbanden sich aufs Trefflichste Schauspiel, Musiktheater und Gastronomie zu einem wahren Theaterspektakel, das vier Stunden dauerte und auch die Pausen einbezog. Während das Publikum ein Menu à l’orange an einer langen Tafel verspeiste, zog eine Theatertruppe beim Fürsten ein, nicht ohne Tumult und über Bänke und Tische und einen gekonnten ersten sängerischen Schlagabtausch der Sopranistinnen Marie-Sophie Pollak und Olga Pitarch. Als die Truppe unter Leitung des Impresarions Marcos Fink endlich vorgelassen wurde, hatte sie die Oper ‚Il pomo d’oro’ von Antonio Cesti zu proben, was den zweiten Teil des Abends ausmachte und das Publikum auch mit der Primadonna der Truppe (gesungen von Emanuela Galli) bekannt machte. Ihr Lied der Mignon und weitere Stücke aus der Zeit bereiteten vor auf das angeblich vom Fürsten nun favorisierte Stück von Cavalli ‚Gli amori d’Apollo e di Dafne’, dessen zweiten Akt man im anderen Flügel der Orangerie abschließend erleben konnte. Darin geht es um die Verwandlung Daphnes in einen Baum, um sich vor den Nachstellungen Apollo zu schützen. Mit sparsamsten Mitteln haben Regisseur Christoph von Bernuth und sein Ausstatter Alfred Peter hier gelungene Theatereffekte erzielt, etwa durch Lichtregie und Bühnenverwandlung, aber auch Einbeziehung des Außenraums, als die Truppe ihre verstorbene Primadonna als Fackelträger zum Theaterwagen begleiteten. In der Pause unterhielt ein kurzes Stück nach Art der Commedia dell’arte, das auch in Bezug zur Oper stand, da es vom Sieg über den Tod handelte. Diesen ganzen Abend hatte sich Dramaturgin Micaela von Marcard zusammen mit dem musikalischen Leiter Pierre Pitzl ausgedacht, der mit dem Ensemble PRIVATE MUSICKE ganz in das Proben- und Aufführungsgeschehen der Theatertruppe eingebunden war. Schöner hätte man sich einen Abend in der Orangerie nicht vorstellen können. Wie schade, dass solche Vorstellungen schon nach kurzer Zeit nicht mehr zu erleben sind. (Angela Runge)