Wolfgang Amadeus Mozart
La clemenza di Tito
Innsbrucker Festwochen der Alten Musik
Premiere: 07. August 2013
Musikalische Leitung: Alessandro De Marchi
Regie: Christoph von Bernuth
Bühne und Kostüme: Oliver Helf
Dramaturgie: Micaela von Marcard
Sänger: Kate Aldrich (Sesto), Nina Bernsteiner (Vitellia), Carlo Allemano (Tito), Ann-Beth Solvang (Annio), Dana Marbach (Servilia), Marcel Bakonyi (Publio)
Chor und Orchester der Academia Montis Regalis
© Rupert Larl/Innsbrucker Festwochen
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© Rupert Larl/Innsbrucker Festwochen
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© Rupert Larl/Innsbrucker Festwochen
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The High Stage
"Wer will den Mantel tragen"
(...) An diese Aufführungspraxis im frühen 19.Jahrhundert erinnert Alessandro De Marchi mit der Fassung vom Wiener Hoftheater am Kärntnertor, die damals in vielen europäischen Opernzentren populär war. Doch nun zum erwähnten Utensil – dem Mantel ! In der Inszenierung von Christoph von Bernuth visualisiert er kaiserliche Regentschaft und Macht. Einerseits kuschelt der Günstling Sesto intensiv mit Kaiser Tito unter dem wolligen Pelz im Eingangsbild, um bald darauf den warmen Ort wieder zu verlassen, andererseits will keine der zur Kaiserin ausgewählten Frauen den Regentenmantel tragen: (...) Der Kaiser entscheidet sich schliesslich (endlich) für Vitellia, die jetzt wiederum verzweifelt, weil ihr Komplott nicht mehr aufgehalten werden kann… Das Attentat misslingt, das Kapitol steht in Flammen (im Landestheater beeindruckend umgesetzt !) und Kaiser Tito, ungewöhnlich soft und ängstlich gezeichnet, verzweifelt schier an seinen Gefühlen Sesto gegenüber. Im Duett Tito-Sesto entwickelt sich jetzt ein spannendes Ringen der Gefühle, neben dem Gesang auch von Carlo Allemano und Kate Aldrich hervorragend - einem Shakespeare-Drama würdig - gespielt und dargestellt. Grosses Theater!
[The High Stage]

nachrichten.at
„Titos“ Triumph bei Innsbrucker Festwochen
Gelungener Auftakt zu den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik mit Mozarts „La clemenza di Tito“: Das Premierenpublikum zeigte sich am Mittwoch von Christoph von Bernuths Inszenierung begeistert. (...) Wie einen Popstar, der von seinen Fans bejubelt und begehrt wird, inszeniert Christoph von Bernuth seinen Tito. Er öffnet in seiner Inszenierung die imaginäre Wand zwischen Zuschauerraum und Bühne: eine willkommene Abwechslung. Chor und Schauspieler agieren mitunter im Zuschauerraum des Tiroler Landestheaters.
Das Bühnenbild von Oliver Helf ist hingegen eher modern gehalten. Ein überdimensionierter Stuhl dient dem Kaiser als Thron. Auch die Sänger trugen wesentlich zum Gelingen des Abends bei. Kate Aldrich brillierte als Sesto mit stimmlicher Sicherheit und schauspielerischem Können. Ebenfalls hervorragend waren Carlo Allemano in der Rolle des Tito und Nina Bernsteiner als Vitellia. (for) [Nachrichten.at Kultur]

Kurier
Von Macht, Sex und Liebe - Mozarts "La clemenza di Tito" bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik.
Ein riesiger, weißer, einfacher Stuhl dominiert die Bühne. Er ist nicht nur Thron, sondern auch Richtstuhl und Schlafstätte. Denn schon bei Ouvertüre rekeln sich dort Titus und Sesto im trauten, beinahe homoerotischen Zusammensein. Von einem Holzkubus, mit hässlichen Tapeten umgeben, ist er nur über eine Leiter erreichbar und wird nach dem Anschlag zu einer Brandruine (Ausstattung: Oliver Helf). So symbolhaft und völlig zeitlos sieht Christoph von Bernuth „La clemenza di Tito“ von Wolfgang Amadeus Mozart, die Eröffnungsproduktion bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik im Tiroler Landestheater. Zeitlos sind aber auch die Themen, um die es bei dem beinahe unerträglich, milden Titus Vespasianus geht: Machtbessenheit, sexuelle Hörigkeit, Intrige, Güte und Liebe. (...) Obwohl Mozarts letzte Oper als szenisch schwer belebbar gilt, erzählt der Operndirektor der Festwochen dies alles punktgenau und verständlich aus heutiger Sicht mit auffallend körperbetonter Vitalität. (...)
Er versteht es aber ansonsten, viele berührende Momente aufzuzeigen: So etwa, wenn nach dem Anschlag auf das Kapitol, das als schmucklos hässlicher Holzkasten gezeigt wird, der mit sich wegen der Bestrafung seines Freundes ringende Titus sich mit dessen Jacke unter den Resten des Riesenstuhles verkriecht. Oder wie Bernuth dann die Konfrontation zwischen ihm und Sesto zeigt, so ist dies packendes Musiktheater, wobei auch die tiefe Melancholie der handelnden Figuren enttarnt wird. Jubel! (Helmut C. Mayer) [Kurier]

Blätter aus Zerlina von Faninals Operntagebuch
In Innsbruck wird aus dem Repertoirestück eine Rarität: man spielt die „Fassung des Wiener Hoftheaters am Kärntnertor (1804) mit neuen Kompositionen“, d.h. mit Einlagen von Joseph Weigl und Johann Simon Mayr. Und da alle diese Einlagen – es sind fünf an der Zahl - der Person des Tito zugeordnet sind, wird dieser entgegen den gängigen Aufführungen zur Hauptperson der Oper. Wenn dann wie jetzt in Innsbruck noch hinzukommt, dass das Regieteam (Christoph von Bernuth (Regie) und Oliver Helf (Ausstattung) nicht die abgedroschene Praxis wiederholt, die opera seria zu ‚dekonstruieren‘, die Figur des Herrschers zum Trottel zu machen und dessen Verhalten und vor allem den Gnadenakt als Masochismus eines Gestörten und latente Grausamkeit eines Despoten zu ’entlarven‘, ja dann geschieht etwas Seltsames. Man sieht und hört über weite Strecken hinweg ein ganz neues Stück.

An dem in den Mittelpunkt des Geschehens gerückten Tito und an dem so innerlich zerrissenen Verschwörer Sesto exerziert das Regieteam den Freundschaftsdiskurs des 18. Jahrhunderts und scheut sich nicht, die homoerotische Komponente des Freundschaftsthemas ausspielen zu lassen. Die homoerotische Freundschaft, die erlittene, verratene und im lieto fine scheinbar wiederhergestellte Freundschaft ist Leitthema und Grundkonzeption der Inszenierung. Angesichts der Dominanz dieses Themas, das die beiden Protagonisten Tito und Sesto (in den Personen des Carlo Allemano und der Kate Aldrich) so brillant und souverän als Sänger und Schauspieler in Szene setzen, werden alle anderen Personen zu Chargen. Vitellias Intrige und ihre große Arie „Non più di fiori vaghe catene…“, die konventionellen Huldigungen des Volkes an den Herrscher, mögen Solistin und Chor auch noch so schön singen, all das wird konventionelles Beiwerk. Was allein zählt, ist das – vielleicht sollten wir sagen – das tragische homoerotische Spiel zwischen einem alternden Mann und einem androgynen Jüngling, ein Spiel und zwei Rollen, die die beiden Protagonisten schon von ihrer Bühnenerscheinung her geradezu perfekt verkörpern.
Endlich einmal eine Aufführung, die auf allen Trash verzichtet, das Politische zwar nicht ganz verdrängt, doch es in die zweite Reihe verweist (die schwarz gewandeten Choristen mit ihrem militärischen Gehabe sollen wohl eine ferne Reminiszenz an Mussolinis Schwarzhemden sein). So sahen und hörten wir denn eine La Clemenza di Tito, die sich ganz auf den privaten Konflikt zwischen zwei Liebenden konzentriert. Eine Konzeption, die überzeugt und zugleich fasziniert.
La Clemenza di Tito in Innsbruck ist eine Reise wert. Ein großer Opernabend.
[Zerlina von Faninal]

Der Opernfreund
Intelligente, stimmige mehrschichtige Deutung: weg vom hohlen Jubel
In der Inszenierung von Christoph von Bernuth wird nicht dekonstruiert, sondern textnah der Blick aufs Werk geweitet. (...) Die Geschichte, bei der zuletzt der junge Sesto zerbricht, zwischen Tito und Vitellia hin- hergerissen und von beiden missbraucht, und Vitellia sich voller Reue aus dem Geschehen verabschiedet, endet mit einer eitlen und hohlen Feier für den Imperator, der vom launisch schwankenden und opportunistischen Volk Fähnchen schwenkend bejubelt wird. Es verbleiben beim lieto fine noch Fragen, deren Beantwortung der Regisseur dem Publikum überlässt. Einen wirklichen Imperator, ob milde oder streng, bekommt man nicht gezeigt. Es ist verständlich, dass Christoph von Bernuth durch die Ausstattung von Oliver Helf eine Verzeitung des Geschehens in eine nicht genau zu definierende Moderne vornehmen lässt. (...) Den homoerotischen Kontext des Librettos liest der Regisseur ganz zwanglos aus dem Libretto, macht daraus zwar ein wichtiges Thema der Inszenierung, trägt aber nicht zu dick auf und belässt Etliches bei Andeutungen. Sesto als Strichjunge oder als Missbrauchsopfer, das lässt er offen. Die Clemenza-Geschichte wird mit gekonnter Personenführung und -zeichnung in zweieinhalb Stunden reiner Spielzeit spannend erzählt, wobei besonders die mit der Musik abgestimmten Bewegungen gefallen. So werden Mozartsche Figuren mit charakteristischer Prägung und tiefer Zeichnung auf die Bühne gebracht. (...) Aus dem gediegenen Festspielpublikum war an diesem Abend kein Flüstern und kein Husten zu vernehmen. Damit ist eigentlich schon alles gesagt, schenkt man nur dem Publikum Glauben. Obwohl die Inszenierung durchaus heikle Passagen zeigte, gab es für die Regie keine einzige Missfallenskundgebung, sondern anhaltenden Beifall, mit dem natürlich vor allem die Solisten fast eine Viertelstunde lang gefeiert wurden. (Manfred Langer) [Der Opernfreund]

Der Neue Merker
Mozarts letzte Oper gilt nicht umsonst heute als szenisch schwer belebbar. Christoph von Bernuth gelingt es trotzdem, die heute nur noch schwer nachvollziehbare Story vom römischen Kaiser Titus Vespasianus mit seiner unendlichen Milde, die soweit geht, dass er auch jenen Menschen verzeiht, die ihm an den Kragen wollen, nachvollziehbar und zeitlos darzustellen. Und wie zeitlos Machtmissbrauch und Intrige, die eigentlichen Inhalte von Mozarts Oper, auch immer waren und immer sein werden. Bisweilen gelingt dem Operndirektor der Festwochen sogar packendes Musiktheater. Wenn es etwa zur ersten Konfrontation nach dem Brandanschlag auf das Kapitol zwischen Tito und Sesto kommt. Die Beziehung der beiden erhält auch noch einen ganz eigenen Drive, weil er sie nicht im Verhältnis Vater/Ziehsohn gezeigt werden sondern als richtiges Liebespaar. Bisweilen lässt Bernuth den Titelhelden beinahe wie einen Popstar auftreten und vom Volk mit Fähnchen, die seinen Namen und sein Bild tragen, bejubeln. Der dominierende, weißgetünchte Riesenstuhl (Ausstattung: Oliver Helf), nicht nur Thron sondern auch Richtstuhl und Schlafstätte von Titus und Sesto, vermittelt auch die eindeutige Botschaft, dass Titus mit seinem Amt überfordert ist.
Großen Jubel gab es zum Finale! (Helmut Christian Mayer) [Der Neue Merker]

Bluarte
La regia di Christoph von Bernuth è essenziale, imponente e maestosa nella sua semplicità, accattivante visivamente. [Bluarte]

Les Trois Coups
Innsbruck: Le baroque rayonnant
Mozart triomphe, et nous avec.
(...) Alessandro De Marchi privilégie un théâtre par une direction vive et contrastée dans les airs et ensembles, parfaitement en phase avec les intentions du metteur en scène Christoph von Bernuth. (...), la scénographie aussi élégante que surréaliste dévoile un intérieur minimaliste contemporain où seule une unique chaise de bistrot démesurée permet á Tito d'apparaître en surplomb dans l'immensité de son palais. (...)
Un bouillonnement dramatique
Ainsi placé au centre de l'attention, le souverain apparaît du haut de son échelle dans une fragilité finement suggérée, errant pieds nus, puis observant ses sujets, sans jamais parvenir à les comprendre, tout à fait. Très dramatique, cette mise en scène multiplie les sous-entendus pour enrichir encore plus l'action. (Florent Coudeyrat) [Les Trois Coups]

Via Cialdini
[Via Cialdini]

Opera online
Young German director Christoph von Bernuth brings Tito in a modern setting. The emperor resides on a XXL bright white chair and steps down to the world of his servants to flatter his beloved Sesto or searching for a wife. The intrigue spun by Vitallia develops, the masses revolt and Tito's palace falls into ruins, the throne burned down and the walls in ashes as well as Tito's plans. We were able to experience his despair and inner conflict perfectly sung and played by Carlo Allemano with his bright and fine tenor. Vitallias anger, envy and greed for revenge is convincingly demonstrated by Nina Bernsteiner in poissonyellow. (Helmut Pitsch)
[Opera online]

Deutschlandradio Kultur
Und auch die Inszenierung von Christoph von Bernuth rückt die Figuren in ihren existenziellen und sexuellen Krisen und Verwirrungen in die Nähe der da Ponte-Opern. Sesto, der das Attentat an Tito plant, ist in dieser Inszenierung in seinen geschlechtlichen Vorlieben verunsichert, sowohl dem Kaiser, als auch seiner Geliebten Vitellia hörig.
[Deutschlandradio Kultur]

Interview:
Tiroler Tageszeitung
„Es ist einsam da oben an der Spitze“
Christoph von Bernuth, Operndirektor der Innsbrucker Festwochen, inszeniert Mozarts „Titus“-Oper mit Blick auf den inneren Zwiespalt des Herrschers und hält die Diskussion über die Auslastung mitunter für übertrieben.

Innsbruck – Dort rollen die adeligen Häupter, da werden sie gekrönt: Als „La Clemenza di Tito“ 1791 in Prag uraufgeführt wird, ist die Französische Revolution zwei Jahre jung, das „Ancien Régime“ untergegangen, die Zeit der Massenhinrichtungen angebrochen. Und Mozart? Huldigt in seinem feudalen Auftragswerk für die Krönung Leopold II. die Milde und Versöhnlichkeit des absolutistischen Herrschers, der seinen Attentätern verzeiht.
Darin wittert die Kaiserin 1791 der Überlieferung nach eine „porceria tedesca“ („deutsche Schweinerei“). Und wohl nicht nur, weil das Publikum Titus nach dem ersten Akt schon gemeuchelt glaubt: „Ein unglaublicher Tabubruch“, so Christoph von Bernuth, Regisseur der „Titus“-Produktion der Innsbrucker Festwochen. „Damals war es gesetzlich verboten, auf der Bühne einen Kaiser- oder Königsmord darzustellen. Und Mozart, dieser große, dramaturgisch denkende Mensch hat es doch gemacht.“ Freilich stellt sich nach der Pause heraus, dass es sich bei dem Toten nicht um Titus, sondern um den Kopf der Verschwörer handelt.
Caterino Mazzolà hat Pietro Metastasios „Titus“-Libretto aus dem Jahr 1734 nach Mozarts Vorstellungenen überarbeitet, das „Mitschwingen der revolutionären Ideen“ interessiert Bernuth daran genauso wie der Zwiespalt des Herrschers zwischen Politik und Privatem: Letzteres meint die Beziehung zu Sesto, einem Lustknaben, wie sie zu Römers Zeiten in Adelskreisen üblich waren, der sich schließlich vom Kaiser abwendet. Man müsse, so Bernuth, also ganz genau hinterfragen, was es mit Titus’ Güte auf sich hat: „Sie basiert auf sehr nachvollziehbaren privaten Gründen.“
Seit rund 18 Jahren ist Bernuth mit den Innsbrucker Festwochen verbunden, er kam als Regieassistent zu René Jacobs’ Zeiten, wurde Produktionsleiter und schließlich, unter Alessandro de Marchi, Operndirektor des Festivals. Bei der Mozart-Produktion ist er Einspringer für den ursprünglich verpflichteten, überraschend nach Valencia berufenen Davide Livermore. Ersatz sei in der Kürze der Zeit schwer zu finden gewesen, sagt Bernuth. „Und was wir nicht wollten, ist, dass jemand hier etwas aufwärmt, das er schon einmal gemacht hat.“ Also blieb er selbst. Und habe sich „riesig gefreut. Musikalisch ist das meine Mozart-Lieblingsoper.“ Der Kölner ist, das zeigten frühere Innsbrucker Inszenierungen (u. a. Haydns „L’isola disabitata“), kein Anhänger der planvollen Verfremdung, vom so genannten deutschen Regietheater distanziert er sich ausdrücklich: „Ich bin der Meinung, dass man als Regisseur nicht versuchen sollte, seine eigenen Befindlichkeiten im Stück wiederzufinden und dann auszudrücken.“
Was er in „La Clemenza di Tito“ sieht, ist unter anderem auch das Wesen des „Staatsmännischen, Cäsarenhaften, das immer auch irgendwie etwas Groteskes und Lächerliches kriegt“. Man müsse sie sich ja nur anschauen, die Obamas, die Merkels, die Putins und so fort, bei ihren Reden und bei den Paraden: Wer sich nicht entsprechend inszeniert, ist auch zum Herrschen nicht recht legitimiert. Da unterscheide sich die Gegenwart kaum von der Zeit des Römischen Reiches.
Letztlich sei es aber auch „einsam da oben an der Spitze“, sagt Bernuth. „Auch vom Bühnenbild her haben wir Raumlösungen gesucht, die zeigen, dass dieser Mensch dieses Cäsarenhafte hat und trotzdem auch der Privatmensch mit Problemen, Eifersüchteleien und Komplexen bleibt.“ Carlo Allemano wird diesen „Titus“ geben, an seiner Seite ist Kate Aldrich der „Sesto“. In der ganz speziellen, durch neue Arien erweiterten Fassung des frühen 19. Jahrhunderts. „Wir fanden es unheimlich spannend zu zeigen, was die damals mit so einem Stück gemacht haben“, sagt Bernuth.
Zumal bereits Mozarts ursprüngliche Fassung an der Schwelle zu einem neuen Operntypus stand. Mit ihren Opernproduktionen spannen die Festwochen heuer einen weiten Bogen: Von Mozarts Opera-seria-Höhepunkt zurück bis zur ersten, 1600 in Druck erschienenen Oper: Caccinis „L’Euridice“. Dass das Interesse für Letztere im Vorverkauf bisher nicht überschwänglich war, „ist uns auch ein bisschen rätselhaft“, sagt Bernuth. Allerdings sei die zweite Oper immer „ein bisschen schwieriger gewesen“. Die Festwochen böten mit der „sehr gut besuchten ‚Barockoper:Jung‘“ inzwischen außerdem sogar drei. Und überhaupt, so Bernuth, diskutierte man hier „im Vergleich zu Auslastungen in anderen Opernhäusern auf sehr hohem Niveau. Mit einer 90-prozentigen Auslastung würden 95 Prozent der Opernhäuser Purzelbäume schlagen.“ (von Ivona Jelcic) [Tiroler Tageszeitung]