Gordon Kampe
Mondstrahl
Hamburgische Staatsoper und Hochschule für Musik und Theater Hamburg
Premiere: 09. Mai 2004
Musikalische Leitung: Marc Rohde
Regie: Christoph von Bernuth
Ausstattung: Christoph von Bernuth
Sänger: M. Wandel, S.-M. Yi, Pelle B. Prieß, C. Böhmke
Mitglieder des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg


Die Welt
Beinahe ohne Text kommt der 1976 in Herne geborene Gordon Kampe aus, um seinen aus der Commedia dell´arte entlehnten (zur Femina verwandelt: Melanie Wandel) Opernliebe leiden zu lassen. Natürlich verzehrt er sich nach seiner angestammten Columbine. Die aber bleibt unsichtbar und ist womöglich nur ein Mondstrahl seiner verkehrten Innenwelt, während ihn drei Handlanger der Pharmaindustrie in die Zwangsjacke stecken, um ihm Psychoblocker einzuspritzen. Musikalisch wirkt dieses absurde Klinikum einprägsam – mit schlagfertigen Ostinati, bläserscharf und schlagzeugbetont. Die schizophrene Aura wird überhöht, wenn die Protagonisten sich Harmonikas in den Mund stopfen und fatalistisch mittönen. Christoph von Bernuth treibt das „Stadium IX“ der Kammeroper „Mondstrahl“ triftig auf die Nadelspitze. (L. Lesle) [Die Welt]

taz
Genüsslich ziehen die drei Irrenärzte große Spritzen auf - "mmhh", machen sie - deren Mixtur sie vorher lotteriegleich aus Lexika zusammengesucht haben. "Rrrr" liebkosen sie ihre Spritzen und nähern sich rhythmisch der Verwirrten, deren Domestizierung sie nicht erwarten können. Schrill schreit die Irre, die nach der Sedierung von ihren Ärzten -"khkh" - mit ekliger Liebe überzogen wird. Gespaltene, rastlose Charaktere sind es allesamt, die sich die drei Preisträger der Hamburger Komponistenwerkstatt da ausgesucht haben. Das Projekt der Hamburgischen Staatsoper und der Hochschule für Musik und Theater ermöglichte den Künstlern, die Produktion der eigenen Werke innerhalb eines Opernbetriebes zu erleben. Mit Regisseuren, Dirigenten und Orchestermusikern der Staatsoper entwickelten sie ausgewählte Szenen bis zur Bühnenreife. Schon nach dem ersten, dem eingangs beschriebenen Stück Mondstrahl von Gordon Kampe (Regie: Christoph von Bernuth) ist klar: An diesem Abend soll nicht das Herz gewärmt, sondern der Geist in Aufruhr gehalten werden. (S. Janssen)

Hamburger Abendblatt
[...] Kampe machte aus seinen irren Szenen (Regie: Christoph von Bernuth), in denen der liebestrunkene Pierrot von drei mad doctors mit Psychopharmaka vollgespritzt wird, eine packende kleine Horror Picture Show, in der es nicht nur in den Chemiekästen der Ärzte bunt dampfte und blubberte, sondern auch im Kammerorchester. [...] Und es gab in der nachfolgenden, charakterlich erhellenden Podiumsdiskussion Kampes mutigen, ehrlichen Satz, dass es ihm mit Verlaub wurscht gewesen sei beim Komponieren, ob dem Publikum sein Stück gefalle. Manche Dinge ändern sich glücklicherweise nie. (J. Mischke)