Jörn Arnecke
Das Fest im Meer
Auftragswerk der Hamburgischen Staatsoper, Uraufführung
Text von Francis Hüsers nach John Berger
Premiere: 17. Juni 2003
Musikalische Leitung: Cornelius Meister
Regie: Christoph von Bernuth
Bühne: Heinrich Tröger von Allwörden
Kostüme: Doris Kirchhof
Sänger: Maite Beaumont, Moritz Gogg, Jürgen Sacher, Tomas Möwes, Dieter Weller, Renate Spingler
© Horst Warneyer
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© Matthias Baus
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Nürnberger Nachrichten/Ruhr Nachrichten
Ein musiktheatralisches Meisterstück: Die Uraufführung von Jörn Arneckes "Das Fest im Meer" in der Hamburger Kampnagel-Fabrik
Der junge Christoph von Bernuth fand überzeugende szenische Lösungen und führte die Darsteller vorzüglich. Ein glänzender Spielzeitausklang der Staatsoper. (W. Schulze-Reimpell)

Hamburger Abendblatt/Neue Musikzeitung
Makellos geführt, betörend warm
(...) Die Inszenierung lässt der Musik viel Raum: Heinrich Tröger hat eine meerblaue, nur von zwei Wänden unterteilte Bühne gebaut, an deren Hintergrund nach und nach ein großes Wellenbild sichtbar wird. Und Regisseur Christoph von Bernuth sind die psychologischen Profile der Figuren wichtiger als raumgreifende Handlungen; erst am Ende, beim Hochzeitsfest, gibt’s richtig Action (...) Die Wirkung war nachhaltig, das Publikum beeindruckt. Als es sich allmählich von der emotionalen Dichte erholt hatte, war der Applaus umso größer. (M. Stäbler)

Ossietzky
Hochzeitstotentanz
Sie schreibt ihren Namen mit Kreide auf die Wand, immer wieder, manisch, wie um festzuhalten, was auseinanderfließen will: ihr Leben. Eine junge Frau, Ninon, führt uns zurück in die Kindheit, als sie sich entdeckte, ihren Namen, die Schrift. Im Dunkel des Hintergrundes begegnen sich Menschen, jeder unterwegs mit seinen eigenen Sätzen, gesprochen, gesungen: die Personen des Musik-Theaters. Ninon wird geliebt von Gino, und sie liebt ihn, aber sie bringt "die Pest", sagt sie, der eigene Körper ist ihr "keine Heimat" mehr, sie hat das Aids-Virus in sich. Doch er will sie heiraten, es soll ein Fest werden, dort wo Himmel und Erde sich berühren, in der Flußmündung des Po: ein "Fest im Meer". Die Hamburger Staatsoper vergab einen Kompositionsauftrag an den erst dreißigjährigen Jörn Arnecke. John Bergers Roman "To the Wedding" diente als Vorlage für das Libretto, das Francis Hüsers schrieb. Zu erleben ist die gut hundert Minuten dauernde Uraufführung auf Kampnagel in Hamburg. Christoph von Bernuth gelang es, das literarische Puzzle des Romans sensibel und vor allem verständlich auf die Bühne zu stellen. Verschiedene Zeit- und Raumebenen verschränken sich- (...) Das Bühnenbild zeigt anfangs Ausschnitte des Engelsturzes von Hieronymos Bosch, später das Meer, eine riesige Welle, auf die Bühne zurollend. Das Hochzeitsfest, gebremst ausgelassen gefeiert, holt auch Musiker auf die Bühne, eine Bratsche (nicht Violine) spielt auf, hinten am Meer führen Flöte und Klarinette den Reigen der Gäste an, der - traurig-grotesk - an einen Totentanz erinnert.
Das Publikum war angerührt und - wie sich im öffentlichen Gespräch nach der Aufführung ergab - dankbar für die erstaunliche Verständlichkeit der Worte, was in der Oper nicht die Regel ist. Viel Beifall. (M. Köhler) [Ossietzky]

Süddeutsche Zeitung
Artikulation bei allen Finsternissen, Genauigkeit beim Transport der großen Gefühle. Der Sog stellt sich sehr schnell ein. Großer und anrührender, crescendierender Jubel. (W. Burkhardt)

Die Welt
Die Kammeroper "Das Fest im Meer" von Jörn Arnecke erlebte auf Kampnagel eine bewegende Uraufführung
(...) "Zeitoper" ist das Stichwort, das einem angesichts der Stoffwahl einfällt, die der Komponist auf einen Vorschlag des Spielleiters Christoph von Bernuth hin traf. Der Genre-Begriff kam in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts auf und steht für die Abkehr einzelner Opernkomponisten von erhabenen Sujets zu aktuellen, sozialkritischen Themen. Auf diese besinnt sich die Opernwelt jetzt wieder. Nun ist der Operngeist der Zeit auf Kampnagel angekommen. Dort erlebte die Kammeroper "Das Fest im Meer" ihre Wassertaufe vor einem bewegt reagierenden Publikum. (L. Lesle)

Die Tageszeitung
Schwingungen erforscht
Jörn Arneckes Kammeroper "Das Fest im Meer" auf Kampnagel changiert elegant zwischen Orten, Zeit- und Handlungsebenen und schafft unsentimentale Wechsel zwischen den Stimmungslagen
Jörn Arnecke ist ein Komponist Neuer Musik, dem es im doppelten Sinne um "Verständnis" geht: Er fordert vom Publikum ein gewisses Maß an gutem Willen und bietet ihm im Gegenzug Nähe und Deutlichkeit an. Seine Kammeroper Das Fest im Meer, die jetzt auf Kampnagel Premiere hatte, zeigt, wie Kommunikation auf hohem Reflektionsgrad funktionieren kann. (...) Christoph von Bernuths Inszenierung lässt der Musik viel Raum: Mit sparsamen Bewegungen zieht es die Figuren zur Küste, analog dazu schält sich im Hintergrund eine riesige Welle aus dem Bühnenbild. (...) Das Publikum auf Kampnagel wusste es bei den bisherigen Aufführungen zu schätzen, angesprochen, aber nicht für dumm verkauft zu werden. (A. Schoon)

Deister-und Weserzeitung
Die Musik-Sprache unserer Zeit
(...) Das gesamte Ensemble überzeugte mit höchster Konzentration und größtmöglichem Einfühlungsvermögen. Der lang anhaltende Applaus, der auch dem jungen Komponisten galt, zeigte, dass das Publikum die großartige Leistung zu schätzen wusste.
Das Werk hinterlässt beim Zuhörer, der sich auf musikalische Abenteuer einlässt, der bereit ist, auf die Musik-Sprache unserer Zeit zu hören, einen tiefgreifenden Eindruck. Eine Szene bleibt unvergessen: Ninon blickt im Wissen um die todbringende Krankheit auf ihr Leben zurück. Der Komponist versteht es, die erschütternde Tragik mit einfachen Gestaltungsmitteln lebendig werden zu lassen. Gerade die Schlichtheit dieser Szene, die noch am ehesten Charakterzüge einer herkömmlichen Arie trägt, lässt niemanden unberührt. (M. Arendt)

Bild
Ein gelungenes, eindringliches Stück über den Umgang mit Aids. (A. Milbret)